Wenn man „Mit All on 4 ein neues Lächeln in 1 Tag“ hört, ist damit eigentlich gemeint, dass am OP Tag die Implantate gesetzt werden und die Patientin oder der Patient die Praxis mit festen, provisorischen Zähnen verlässt.
Diese Zähne sind jedoch keine endgültige Versorgung.
Die endgültigen Zähne werden erst gemacht, wenn die Implantate vollständig mit dem Knochen verwachsen sind.
Wie kann es sicher sein, am selben Tag feste Zähne zu bekommen?
Der wichtigste Punkt ist hier die Primärstabilität.
Das heißt: Das Implantat muss in dem Moment, in dem es eingesetzt wird, im Knochen ausreichend fest und stabil sitzen.
Am ersten Tag ist das Implantat biologisch noch nicht mit dem Knochen verwachsen – es hält erst einmal nur mechanisch im Knochen. Wenn dieser Halt nicht stabil genug ist, können kleine Bewegungen beim Kauen die Einheilung stören. Genau deshalb ist es entscheidend, die Implantate mit genügend „Festigkeit“ in den Knochen zu setzen.
Aber auch das reicht allein nicht. Der zweite wichtige Punkt ist, dass die Implantate mit einem einteiligen, festen und starren Provisorium miteinander verbunden werden.
Das heißt: Nicht jedes der vier Implantate trägt die Last allein – sie arbeiten wie eine miteinander verbundene Brücke. So landet die Kaubelastung nicht auf einem einzelnen Implantat, sondern verteilt sich auf das gesamte System. Weil sich die Last verteilt, sinkt der Stress pro Implantat, und das Risiko für mikroskopische Bewegungen wird kleiner.
Was bedeutet All on 4?
All on 4 ist ein Konzept für eine vollständig zahnlose (oder für eine Extraktion geplante, mit „hoffnungslosen“ Zähnen) Kieferreihe, bei dem eine verschraubte, festsitzende Vollbogen Versorgung auf 4 Implantaten getragen wird.
Typische Anordnung:
- Vorne: 2 gerade (axiale) Implantate
- Hinten: 2 distal geneigte (tilted) Implantate (in vielen Anwendungen bis zu 45°)
Das Grundziel dieses Designs ist es, besonders bei Patientinnen und Patienten mit begrenzter Knochenhöhe im Seitenzahnbereich den vorhandenen Knochen effizienter zu nutzen, die Stützpunkte weiter nach hinten zu verlagern und eine „feste Zähne“-Rehabilitation mit weniger zusätzlicher Chirurgie (nicht bei jeder Person) möglich zu machen.
Warum bekommt nicht jede Person am selben Tag eine All on 4 Versorgung?
Folgende Situationen können eine Sofortversorgung mit festsitzendem Zahnersatz erschweren:
Wenn beim Einsetzen der Implantate keine ausreichende Festigkeit (Torque) oder kein ausreichender Stabilitätswert (ISQ) erreicht wird, ist es sicherer, die Implantate erst zuverlässig einheilen zu lassen und später zu belasten, statt am selben Tag feste Zähne zu setzen.
Wenn in derselben Sitzung zusammen mit den Implantaten eine umfangreiche Knochenaugmentation oder eine Sinus OP nötig ist, hat die Knochenheilung Priorität – dann ist eine Sofortbelastung am selben Tag nicht immer passend; die Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt je nach klinischer Situation.
Unkontrollierter Bruxismus (Zähnepressen) → das Risiko für Implantatverlust und vor allem für mechanische Komplikationen kann steigen.
Sehr hoher Zigarettenkonsum → in Meta Analysen wurde ein höheres Risiko für frühe Implantatmisserfolge gefunden.
Schlechte Mundhygiene / fehlende Mitarbeit bei der Nachsorge → kann das Risiko für periimplantäre Erkrankungen erhöhen; langfristig ist die Pflege ein zentraler Faktor.
Fazit
Mit All on 4 kann bei vielen Patientinnen und Patienten tatsächlich noch am selben Tag ein festsitzendes Provisorium möglich sein.
Ob das auch wirklich sicher ist, wird gemeinsam entschieden – basierend auf der Knochen-/Anatomiebewertung, der während der OP gemessenen Primärstabilität und der Lastverteilung.
Dieser Text dient der Information und ersetzt keine Diagnose oder Therapieplanung.
Für eine verlässliche Einschätzung sind eine Untersuchung und eine CBCT Beurteilung erforderlich.
