Wie viele Minuten dauert eine moderne Implantat OP eigentlich?
Dentalimplantate sind eine der besten Lösungen bei Zahnlosigkeit. Mit einem Implantat ersetzen Sie nicht nur den fehlenden Zahn – Sie können auch verhindern, dass sich der Kieferknochen abbaut und dass die Nachbarzähne in die Lücke kippen oder wandern. Und auch ästhetisch können Implantate viel ausmachen – das sollte man wirklich nicht unterschätzen. Aber gibt es etwas, worüber man sich beim Implantatmachen wirklich Sorgen machen müsste?
In diesem Beitrag schauen wir uns die Eigenschaften von schraubretinierten Implantaten aus verschiedenen Blickwinkeln an – mit wissenschaftlicher Grundlage.
Hohe Erfolgsraten
Eine korrekt durchgeführte Implantatbehandlung kann bei einer gesunden Person – vorausgesetzt, die Mundhygiene stimmt – 20 bis 30 Jahre halten.
In einer wissenschaftlichen Arbeit von Gabriela Wittneben wurden Studien aus den Jahren 2000 bis 2012 ausgewertet. Darin wurde gemessen, dass schraubretinierte Implantate nach 5 Jahren eine Erfolgsrate von 96 % hatten. [1]
Auch andere akademische Daten zeigen Ergebnisse, die in dieselbe Richtung gehen.
Herausnehmbar zu sein ist in der Praxis ein großer Vorteil
Schraubretinierte Implantate lassen sich bei Bedarf lösen und wieder einsetzen – das ist bei Zahnfleischproblemen, Okklusionskorrekturen, Keramikreparaturen/-instandsetzungen, bei Reinigung und Kontrollen ein echtes Plus.
Bei zementierten Implantatlösungen muss dagegen oft die Suprakonstruktion (die Krone) abgenommen und erneuert werden.
Biologische Risiken
Bei zementierten Versorgungen zählt überschüssiger Zement, der unter dem Zahnfleisch zurückbleiben kann, zu den kritischsten biologischen Risiken.
Solche Reste können im Zahnfleischgewebe Entzündungen auslösen und so den Implantaterfolg negativ beeinflussen.Das Schraubsystem ist dadurch, dass es keinen Zementüberschuss gibt, grundsätzlich die sicherere Variante. In einer wissenschaftlichen Studie von Thomas G. Wilson Jr. wurde bei einem großen Teil der Implantate mit periimplantären Krankheitszeichen überschüssiger Zement festgestellt; bei 81 % der Testimplantate fand sich Zementüberschuss. [2]
30 Tage nach dem Entfernen des Zements waren bei 74 % der nachverfolgbaren Fälle die klinischen/endoskopischen Entzündungszeichen verschwunden. [2] Bei schraubretinierten Implantaten wird dagegen gar kein Klebematerial verwendet, das solche Probleme überhaupt erst auslösen könnte.
Risiko, dass sich etwas löst oder „runterfällt“
Dass sich bei zementierten Implantaten etwas löst, ist ein Problem, das man relativ häufig sieht. Bei schraubretinierten Implantaten gibt es dieses Thema so nicht. Ihr Implantat lässt Sie nicht im Stich – Sie können es sicher nutzen.
Wissenschaftliche Arbeiten zeigen außerdem, dass bei zementierten Implantaten langfristig Retentionsverlust auftreten kann. Als Ursachen dafür werden vor allem diese Punkte genannt: Abutmenthöhe, Zementwahl und Anwendungstechnik, okklusale Kräfte (Pressen/Knirschen), Kontamination sowie das Auflösen/Ermüden des Zements im Laufe der Zeit. Deshalb ist es bei zementierten Versorgungen nicht immer realistisch, „das Ablösen komplett auf Null“ zu bringen.
Mögliche Nachteile schraubretinierter Systeme
Auch wenn schraubretinierte Implantatsysteme heute sehr häufig bevorzugt werden, sind sie nicht völlig frei von möglichen Problemen. Bei schraubretinierten Implantaten können an der Keramikoberfläche kleine Frakturen oder Absplitterungen auftreten.
Das hängt meist mit einer zu filigranen Konstruktion, hoher Kaubelastung, einer Press-/Knirschangewohnheit oder der Materialwahl zusammen. Mit ausreichend Materialstärke, widerstandsfähigem Material, einer sauber eingestellten Okklusion und – wenn nötig – einer empfohlenen Nachtschiene lässt sich dieses Risiko in der Regel gut kontrollieren.
Heißt: Das Problem liegt oft nicht am System selbst, sondern an Design und Lastmanagement.
Lockerung der Schraube
Bei schraubretinierten Systemen kann es selten zu einer Schraubenlockerung kommen. Das äußert sich meistens nicht als „Der Zahn ist raus“, sondern eher als „Der Zahn wackelt“ oder „Mein Biss fühlt sich anders an“. In vielen Fällen lässt sich das ganz einfach lösen, indem man mit dem richtigen Drehmoment nachzieht und die Kaueinstellung korrigiert. Das ist also keine endgültige „Pleite“, sondern eine mechanische Situation, die sich mit Kontrolle und sauberer Technik gut managen lässt.
Sorge, dass das Schraubenloch sichtbar ist
Bei schraubretinierten Versorgungen gibt es einen kleinen Zugangskanal zur Schraube. Im Seitenzahnbereich ist das meist kein Thema, im Frontbereich kann es ästhetisch herausfordernd werden – vor allem, wenn der Implantatwinkel nicht gut geplant wurde. Darum ist die Planung hier wirklich entscheidend.
Dank digitaler Planung und geführter Chirurgie kann die Implantatposition heute im Vorfeld sehr präzise festgelegt werden, sodass der Austrittspunkt der Schraube besser kontrollierbar ist. Und wenn das Schraubenloch mit ästhetischen Füllmaterialien verschlossen wird, fällt es von außen in der Regel nicht auf.
Quellen:
1- Wittneben, J.-G., Millen, C., & Brägger, U. (2014). Clinical performance of screw- versus cement-retained fixed implant-supported reconstructions: A systematic review (ITI Consensus Group 2 Report). The International Journal of Oral & Maxillofacial Implants, 29(Suppl.), 84–98. Quintessence Publishing Co. Inc.
2- Wilson, T. G. Jr. (2009). The positive relationship between excess cement and peri-implant disease: A prospective clinical endoscopic study. Journal of Periodontology, 80(9), 1388–1392. https://doi.org/10.1902/jop.2009.090115
